Ohne Zweifel - als pflegende Angehörige möchte man nur das Beste für den geliebten Kranken. Doch was ist das Beste? Eine optimale medizinische Versorgung? Sorge für das leibliche Wohl? Ebenfalls genauso für das Wohl von Geist und Seele? Den Kranken und Sterbenden auch weiterhin noch in seiner Rolle wertschätzen, achten und respektieren?
Garnicht so leicht - vorallem wenn sich die einzelnen Vorsätze auch noch zu widersprechen und gegenseitig auszuschließen scheinen.
Heute habe ich es geschafft mein Herz offen zu halten und war innerlich schon erheblich ruhiger als die letzten Tage. Ich habe es geschafft, ihm die Hand zu halten und liebevoll mit ihm zu erzählen und zu atmen. Ich hatte nicht mehr das Bedürfnis das Zimmer verlassen zu müssen. Auch nach Zurückweisungen und Vorwürfen verschloss ich mich nicht. Mein Herz war heute weit und líchtvoll genug um in jeder Sekunde zu erkennen, dass er mich garnicht meint sondern nur sein unerträglicher Zustand durch ihn spricht.
Dafür aber, habe ich heute einen weiteren großen Fehler begangen. Einen - an den ich zuvor nie gedacht hatte. Ich geriet in Konflikt mit dem Kranken und sein Bestes.
Mein Vater lehnt alles ab. Er lehnt das Pflegebett ab mit einer Wechseldruck-Matratze gegen einen Dekubitus. Er lehnt aber auch Felle und die passenden medizinischen Unterlagen ab. Alle gefallen ihm nicht, sind unbequem und hart. Ohne hält er es jedoch auch nicht aus und von mir wird vorwurfsvoll verlangt dass ich eine Matte finde, die vermutlich erst noch erfunden werden muss.
Weil sein Gesäß und die Hüfte bereits stark gerötet sind bestellte die Schwester die tagtäglich kommt um ihn zu versorgen - gute Unterlagen. Ligasano gegen Wundliegen. Sie sind etwas schaumstoffähnlich. Ok - vielleicht tatsächlich etwas kratzig wenn man empfindlich ist - aber wenn man mit der flachen Hand drauf drückt merkt man sehr gut, dass der Druck optimal verteilt wird.
Ich habe Sorge dass Papa sich ganz auf liegt und habe es gemeinsam mit der Schwester für ihn untergeschoben -
obwohl er nicht einverstanden war.
Oh wie schlecht fühle ich mich? Wie konnte ich mich gegen seinen Willen hinwegsetzen , nur für sein Bestes? Wie kann ich glauben, ich wüsste was das Beste für ihn sei? Bei aller Sorge und Vernunft - um die geht es nicht.
Auch hier - geht es wieder ums Loslassen.
Ich muss es los lassen. Ihn lassen - meinen Kopf raus lassen und mein Herz sprechen lassen!
Nur das Herz kann das Wesentliche sehen. Das weiss ich doch? Wieso lasse ich immer wieder zu dass mein Kopf die Stimme des Herzens übertönt?
Wie konnte ich mich so dermaßen über ihn hinwegsetzen - über das Einzige was ihm noch an Autonomie geblieben ist? Seiner Ablehnung?
Die Wertschätzung und der Respekt dem persönlichen Willen Sterbenden gegenüber sollten immer an erster Stelle stehen. Jetzt tut es mir leid.
Ich wollte nur sein Bestes!
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