Was war das für eine Woche - voller Wahnsinn, Schmerz, Beleidigungen, Frechheiten, Strapatzen, Überforderung, Genervtheit, Kraftlosigkeit, Verwirrtheit, Wut und Liebe.
Denn die Liebe ist der Grund für all mein Handeln hier. Der Grund, warum ich mich immer wieder aufrichte, nachdem der Wind mich umgeknickt hat und warum ich nicht aufhöre weiter zu machen und zu geben.
Mein Vater hat immer gesagt - jeder bekommt das was er verdient. Und das stimmt.
Bei allem Leid - bekommt man gleichzeitig soviel geschenkt. Oft erkennt man es erst viel später- manchmal Jahre später. Aber wir können gewiss sein und das Vertrauen behalten, dass die Waage bleibt.
Wenn wir es eine zeitlang anders empfinden, sind es nur wir selbst die uns das Leben schwer machen. Je mehr Du versuchst mit zu schwimmen im Strom der Liebe, desto mehr Glück und Freiheit kannst Du inmitten des größten Tumults und Leids empfinden.
Aber jede Prüfung und Herausforderung im Leben als einfach zu empfinden - dazu sind wir nicht hier. Wir sind hier, weil wir genau an dem Schmerz wachsen müssen und wenn Du weisst - Deine Lebensprüfung geht zu Ende und Du hast sie geschafft ist das besser als alle weltlichen Prüfungen wie Abi und Berufsabschluss zusammen! Es ist einfach alles vollkommen richtig. Selbst der Schmerz! Das bedeutet im Einklang zu sein - mit sich und der Umwelt.
Nicht, dass es deshalb einfacher wäre - aber im Gleichgewicht zu sein ist so vollkommen!
Ich habe die letzten Tage gebrüllt und geschrieen - ich habe mich mindestens genauso aufgebäumt wie mein Vater selbst vor dem Tod.
Ich habe um Hilfe nach den Engeln gebrüllt und geschrieen dass ich nicht mehr kann und dass meine Kraft jetzt am Ende ist.
Und jetzt nach alle dem - kehrt die Ruhe ein. Es ist soweit!
Fassungslos stehst Du da und spürst wie der Tod ins Zimmer tritt.
Und plötzlich wandeln sich alle Genervtheit und Überforderung in Liebe.
Und Du stehst da und bist einfach erfüllt von Liebe - in all dem Schmerz.
Das ist so ein Geschenk und ich bin so dankbar, dass ich dies erfahren darf.
Papas Leid ist zu groß jetzt. Er röchelt und brodelt beim atmen. Aber ansonsten verläuft sie ruhig und recht gleichmäßig.
Seit gestern wird auch nicht mehr getrunken. Am Körper haben sich weitere aussen sichtbare Tumore gebildet und einige Stellen sind nun bläulich verfärbt.
Rücken und Schultern sind jetzt auf gegangen.
Es tut so weh - das ist mein Vater. Wenn ich Dich ansehe - mein über alles geliebter Vater.
Seit gestern ist auch das Gesicht stark eingefallen und die Schwester hat heute
präfinales Stadium auf das Berichtsblatt geschrieben.
Es ist soweit. Wie unfassbar. Seit gestern steh ich neben mir - erspüre mich wie im Film.
Aber mein Herz ist offen und voller Licht und Liebe.
Das sind die treffendsten Worte dafür - anders ist das Gefühl nicht zu beschreiben welches ist fühle!
Ich kann es kaum fassen - dass ich es tatsächlich geschafft habe. Es zerkrampft mir das Herz wenn ich darüber nachdenke, dass es nun vorbei ist durch all die Anspannung eines Jahres...
Ich habe es tatsächlich geschafft über ein Jahr hinweg ihn alleine zu Hause zu behalten. Es war sein Wunsch zu Hause zu sterben und er war nicht einmal im Krankenhaus.
Ich habe es geschafft - soviel Liebe und Licht habe ich gegeben und statt leer zu sein (so fühlte ich mich die letzten Tage) bin ich nun vollkommen erfüllt davon.
Inmitten von größtem Schmerz empfinde ich Glück und Freiheit.
Meine Prüfung ist hiermit bestanden - das fühle ich so sicher wie noch nichts zuvor im Leben.
Und vor etwa einem halben Jahr sagte mir ein lieber Professor aus meinem Studium, bei dem ich ein Seminar über Sterben, Tod und Trauer besuchte, dass es reicht miteinander zu atmen und die Botschäften kämen dann schon allein vom Universum.
Ich war die ganze Zeit zu verwirrt und Papa war noch zu laut um das zu fühlen. Doch jetzt wo er die meiste Zeit weggetreten ist in einem Dämmer - Schlafzustand (sicher auch durch mehr Valium) weiß ich alles was er braucht. Ich weiss es einfach - als wäre es das Natürlichste von der Welt. Welches Geschenk miteinander zu atmen! Selbst durch die Hand die seine hält strömt Liebe - ohne Worte.
Welche Schönheit sich Dir in diesem Schmerz offenbaren kann ist unbeschreiblich!
Bevor er gestern Abend einschlief und nachdem er soviel mit mir geschimpft hatte und so unzufrieden mit mir war - sagte er mir, dass er mich doch immer lieb hat und ich doch sein Engelskind bin. Er nannte mich schon immer Engelskind.
Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn auch lieb habe und es jetzt Zeit ist und er gehen kann. Und mein Stiefbruder hats auch gepackt - wir haben Tschüss gesagt.
"Du kannst aufhören zu kämpfen - es ist in Ordnung wenn Du jetzt gehst."
Ein Jahr - und nun naht das Ende!
PRÜFUNG BESTANDEN!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

1 Kommentar:
Hallo Jebora,
unfassbar wie Du deinem Umgang treu bleibst, wie Du es ist Fluss bringst und selbst nicht darin unter gehst. Ich bin froh, dich kennen gelernt zu haben, denn Menschen wie Dich trifft man selten. Was Du geschafft hast und immer noch schaffst ist keine Leistung, es ist pures Leben dass erst dein Ich lebendig macht, Du gibst dem ganzen einen Sinn.
Ich wünsche Dir alles Gute, das beste der Welt und deinem Vater ebenso.
Ich hab Dich lieb.
itzi
Kommentar veröffentlichen