Unglaublich, aber wahr! Der Todestag jährt zwar noch nicht genau, aber zumindest die Zeit, als mein geliebter Papi nicht mehr aufstand und ich wohl vor die bis dahin größten Herausforderungen meines Lebens gestellt war.
Ich war heute auf dem Friedhof. Papa liegt, wo es mich genau vor einem Jahr auch schon dauernd hinverschlagen hat.
In solch einer Tiefe habe ich die Vergänglichkeit erfahren! In all seinem Leid und Schmerz und auch in seiner Schönheit.
Sehr alte Grabsteine mit Grünsporn und die goldroten fallenden Blätter des Herbstes schenkten mir damals in all der schweren Last ein Lächeln. Und doch legte sich über all die Farbenpracht ein Schleier aus grau.
Es war, als habe ich meine Augen geschlossen und ein wildes raumloses Vakuum ergriff von mir Besitz. Zeitlos wabernd wie in einem mächtigen und vernebelten Traum - für fast ein Jahr!
In der Stille schwebend war ich sinnlos suchend nach mir Selbst.
Ich habe gekämpft und mich orientiert - in einer Welt, die von einem auf den anderen Tag ganz anders war als ich es mir jemals vorzustellen vermochte.
Ich habe geblutet, lag kraftlos am Straßenrand. Ich habe den rechten Weg gesucht und fand mich dauernd in der Verirrung wieder. Ich habe Wunden geleckt und geleckt bekommen. Ich habe gelernt alein zu sein. Habe meine Wurzeln gesucht die nicht zu spüren waren, so dass ich zeitweise zweifelte ob ich überhaupt welche besitze - und ich habe schließlich Wurzeln geschlagen!
Jetzt fallen die Blätter wieder. Alles sieht genauso aus wie vor einem Jahr. Und doch ist die Welt eine völlig andere. Ich weine vor Freude, weil ich bemerke, dass ich meine Augen wieder geöffnet habe. Und ich sehe!
Das grau hat sich verzogen - die Welt ist bunt! Und wie bunt!
Ich erinnere mich nicht jemals so bunt gesehen zu haben!
Alles was war, war nur dazu da, dass ich heute die bin die ich bin!
Ich bin frei, ich bin bei mir, ich habe Wurzeln, ich weiß jetzt und immer um meine Stärke!
Dieses Leben gehört mir, mir ganz allein und das werde ich jetzt feiern
bis meine letzte Stunde schlägt. :-)
In diesem Sinne - ist dieses Kapitel hiermit
GESCHLOSSEN!
Ich liebe Dich unendlich Papi,
wir sehen uns,
Deine Jenny
Freitag, Oktober 10, 2008
Mittwoch, November 28, 2007
Papa hats geschafft
Der Zeitpunkt ab dem ich wusste, dass es nun soweit sein würde - zog wie zeit- und raumlose Formen und Fäden an mir vorbei. Ich währenddessen befand mich in einem riesigen Vakuum von Nichts verzweifelnd versuchend irgendetwas greifen zu können.
Wir gaben Papa viel zu schlafen, damit er es nicht so merkt. Zwischendurch wurde er jedoch etwas wach. Wenn er sehr bei Bewusstsein war, war er so aggressiv wie zuvor - nur unheimlich kraftlos. Wenn er dämmerte nahm er am meisten wahr. Er sah und hörte zuletzt schlecht. Doch wenn er dämmerte dann wusste er trotz geschlossener Augen und obwohl wir leise flüsterten immer genau wer neben ihm stand und antwortete interessanterweise auch.
Einen Tag vor seinem Tod - Sonntag, etwa zur Mittagszeit, hielt ich seine Hand. Geschwächt versuchte er mit seinem Daumen ansatzweise mich zurückzustreicheln. Er sprach sehr verwaschen und dünn - doch er sagte mir: "Machs gut mein Kind!" Und dann nuschelte er etwas, dass ich nicht verstand - aber ganz deutlich hörte ich 16:40 Uhr!
Und auch meine Cousine hörte es. Ich war ganz aufgeregt und dachte, dass er nun sterben würde am Sonntag Nachmittag. Doch Sonntag sollte es noch nicht werden.
Am Montag Morgen riefen wir die Ärztin nach Hause - weil er extrem stark röchelte. Auch seine Füsse waren voller Wasser und plötzlich ganz dick obwohl er sonst so stark abgemagert war.
Wir hatten ein Absauggerät mit dem ich ihm am Morgen noch etwas Schleim aus dem Rachenbereich saugte.
Wir hatten beobachtet wie er im Dämmerzustand imaginären Leuten die Hand gegeben hatte und Tschüss sagte.
Dann schlief er - und seine Atmung stellte sich in die vor dem Tod üblichen Schnappatmung um.
Das ging dann noch über Stunden.
Viele Verwandte sind gekommen und mir war klar, dass heute der Tag ist, an dem ich alle von der Arbeit zu holen hatte die eine Rolle spielten.
Meine Mutter hatte für alle Brötchen besorgt und wir saßen am Esstisch. Abwechselnd gingen alle Verwandte nochmal einzeln zu Papa solange wie sie es brauchten und verabschiedeten sich.
Ich war auch noch eine halbe Stunde allein bei ihm und küsste ihn auf die Stirn und erzählte ihm weinend wie dankbar ich bin, dass er immer bei mir war. Dass ich ihm für alles danke, selbst für die Konflikte an denen ich gereift bin. Und dafür dass ich ihm zurückgeben durfte jetzt wo er so krank war und auch, dass ich mir keinen Tag ohne ihn vorstellen könne!
Aber auch dass es nun Zeit sei zu gehen, denn er hat einfach keinen Körper mehr zum leben. Und dass er sich keine Sorgen machen braucht - "es ist ok, wenn Du gehst".
In Anbetracht seines Alters von 59 Jahren fiel ihm das Loslassen besonders schwer. Vielleicht auch wegen uns Kinder.
Morgens als er zuletzt einigermaßen bei Bewusstsein war hatte er einen extremen Drang nach oben und wollte hinauf geholfen kriegen, obwohl er eigentlich schon viel zu schwach war.
Er nuschelte immer Dinge wie "Komm wir gehen - ich will weg hier", usw.
Ich hielt seine Hand und sagte ihm: "In Deinem Körper wird das nix mehr - geh ohne"!
Und dann wurde er irgenwann ruhig. Die Schnappatmung stellte sich wie gesagt ein und so atmete er noch einige Stunden.
Gegen 15:30 Uhr wurde ich extrem unruhig und musste ins Schlafzimmer gehen und setzte mich vor ihn auf einen Stuhl. Mein Onkel und meine Tante waren ebenfalls anwesend.
Irgendwann wurde sein Atem schneller als sei er aufgeregt und dann setzte der erste Atemaussetzer ein.
Ich dachte beim ersten Mal bereits er sei jetzt gestorben - aber dann nach etwa einer Minute fing er weiter an nach Luft zu schnappen.
Wir holten alle anderen aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer.
Sein Bett steht mitten im Raum so dass wir rund herum einen Kreis bilden konnten mit neun Angehörigen hielten wir uns an den Händen und er lag inmitten unseres Kreises.
Vorher war der Raum extrem kalt - aber es wurde hochenergetisch und man spürte förmlich wie die Energie durch unsere Hände floss und alles warm wurde.
Wir alle atmeten mit ihm - fingen fast selbst an zu hyperventilieren, weil wir uns seiner Schnappatmung anpassten.
Sicher noch fast eine halbe Stunde standen wir so da. Bei jedem Atemaussetzer hofften und beteten wir dass er es nun geschafft habe - aber mehrmals kam er zurück. Gerade auch wenn jemand dann anfing zu schluchzen.
Wir versuchten dann ganz leise zu sein, damit er nicht mehr gestört würde und den Übergang endlich schaffen könne.
Dann starb er exakt zu seiner zuvor angesagten Uhrzeit am Montag den 26. November 2007 um 16:40 Uhr im Kreise seiner Lieben zu Hause.
Ich habe sein Sterben als wundervolles Geschenk erfahren. Es war eine wunderschöne Erfahrung. Wir wogen ihn liebevoll hin bis zum Tor der Ewigkeit.
Es war so ergreifend wie aufgeregt wir waren als er die Atemaussetzer bekam und wir mitatmeten - es schien fast wie eine Flugzeuglandung an dessen Ende man das Bedürfnis verspürt zu klatschen.
Denn er hatte es geschafft!
Aus Liebe freue ich mich und bin unendlich stolz, dass er den Schritt gewagt hat sein materielles Dasein zu verlassen. Denn sein Körper konnte einfach nicht mehr leben.
Und aus Liebe weine ich, denn kein Tag wird vergehen wo mich Papas Verlust nicht schmerzt.
Wir haben in unserem Kreis das Licht gespürt und es ist ein unglaubliches Geschenk dass ich Teil dieses Kreises sein durfte.
Wir gaben Papa viel zu schlafen, damit er es nicht so merkt. Zwischendurch wurde er jedoch etwas wach. Wenn er sehr bei Bewusstsein war, war er so aggressiv wie zuvor - nur unheimlich kraftlos. Wenn er dämmerte nahm er am meisten wahr. Er sah und hörte zuletzt schlecht. Doch wenn er dämmerte dann wusste er trotz geschlossener Augen und obwohl wir leise flüsterten immer genau wer neben ihm stand und antwortete interessanterweise auch.
Einen Tag vor seinem Tod - Sonntag, etwa zur Mittagszeit, hielt ich seine Hand. Geschwächt versuchte er mit seinem Daumen ansatzweise mich zurückzustreicheln. Er sprach sehr verwaschen und dünn - doch er sagte mir: "Machs gut mein Kind!" Und dann nuschelte er etwas, dass ich nicht verstand - aber ganz deutlich hörte ich 16:40 Uhr!
Und auch meine Cousine hörte es. Ich war ganz aufgeregt und dachte, dass er nun sterben würde am Sonntag Nachmittag. Doch Sonntag sollte es noch nicht werden.
Am Montag Morgen riefen wir die Ärztin nach Hause - weil er extrem stark röchelte. Auch seine Füsse waren voller Wasser und plötzlich ganz dick obwohl er sonst so stark abgemagert war.
Wir hatten ein Absauggerät mit dem ich ihm am Morgen noch etwas Schleim aus dem Rachenbereich saugte.
Wir hatten beobachtet wie er im Dämmerzustand imaginären Leuten die Hand gegeben hatte und Tschüss sagte.
Dann schlief er - und seine Atmung stellte sich in die vor dem Tod üblichen Schnappatmung um.
Das ging dann noch über Stunden.
Viele Verwandte sind gekommen und mir war klar, dass heute der Tag ist, an dem ich alle von der Arbeit zu holen hatte die eine Rolle spielten.
Meine Mutter hatte für alle Brötchen besorgt und wir saßen am Esstisch. Abwechselnd gingen alle Verwandte nochmal einzeln zu Papa solange wie sie es brauchten und verabschiedeten sich.
Ich war auch noch eine halbe Stunde allein bei ihm und küsste ihn auf die Stirn und erzählte ihm weinend wie dankbar ich bin, dass er immer bei mir war. Dass ich ihm für alles danke, selbst für die Konflikte an denen ich gereift bin. Und dafür dass ich ihm zurückgeben durfte jetzt wo er so krank war und auch, dass ich mir keinen Tag ohne ihn vorstellen könne!
Aber auch dass es nun Zeit sei zu gehen, denn er hat einfach keinen Körper mehr zum leben. Und dass er sich keine Sorgen machen braucht - "es ist ok, wenn Du gehst".
In Anbetracht seines Alters von 59 Jahren fiel ihm das Loslassen besonders schwer. Vielleicht auch wegen uns Kinder.
Morgens als er zuletzt einigermaßen bei Bewusstsein war hatte er einen extremen Drang nach oben und wollte hinauf geholfen kriegen, obwohl er eigentlich schon viel zu schwach war.
Er nuschelte immer Dinge wie "Komm wir gehen - ich will weg hier", usw.
Ich hielt seine Hand und sagte ihm: "In Deinem Körper wird das nix mehr - geh ohne"!
Und dann wurde er irgenwann ruhig. Die Schnappatmung stellte sich wie gesagt ein und so atmete er noch einige Stunden.
Gegen 15:30 Uhr wurde ich extrem unruhig und musste ins Schlafzimmer gehen und setzte mich vor ihn auf einen Stuhl. Mein Onkel und meine Tante waren ebenfalls anwesend.
Irgendwann wurde sein Atem schneller als sei er aufgeregt und dann setzte der erste Atemaussetzer ein.
Ich dachte beim ersten Mal bereits er sei jetzt gestorben - aber dann nach etwa einer Minute fing er weiter an nach Luft zu schnappen.
Wir holten alle anderen aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer.
Sein Bett steht mitten im Raum so dass wir rund herum einen Kreis bilden konnten mit neun Angehörigen hielten wir uns an den Händen und er lag inmitten unseres Kreises.
Vorher war der Raum extrem kalt - aber es wurde hochenergetisch und man spürte förmlich wie die Energie durch unsere Hände floss und alles warm wurde.
Wir alle atmeten mit ihm - fingen fast selbst an zu hyperventilieren, weil wir uns seiner Schnappatmung anpassten.
Sicher noch fast eine halbe Stunde standen wir so da. Bei jedem Atemaussetzer hofften und beteten wir dass er es nun geschafft habe - aber mehrmals kam er zurück. Gerade auch wenn jemand dann anfing zu schluchzen.
Wir versuchten dann ganz leise zu sein, damit er nicht mehr gestört würde und den Übergang endlich schaffen könne.
Dann starb er exakt zu seiner zuvor angesagten Uhrzeit am Montag den 26. November 2007 um 16:40 Uhr im Kreise seiner Lieben zu Hause.
Ich habe sein Sterben als wundervolles Geschenk erfahren. Es war eine wunderschöne Erfahrung. Wir wogen ihn liebevoll hin bis zum Tor der Ewigkeit.
Es war so ergreifend wie aufgeregt wir waren als er die Atemaussetzer bekam und wir mitatmeten - es schien fast wie eine Flugzeuglandung an dessen Ende man das Bedürfnis verspürt zu klatschen.
Denn er hatte es geschafft!
Aus Liebe freue ich mich und bin unendlich stolz, dass er den Schritt gewagt hat sein materielles Dasein zu verlassen. Denn sein Körper konnte einfach nicht mehr leben.
Und aus Liebe weine ich, denn kein Tag wird vergehen wo mich Papas Verlust nicht schmerzt.
Wir haben in unserem Kreis das Licht gespürt und es ist ein unglaubliches Geschenk dass ich Teil dieses Kreises sein durfte.
Freitag, November 23, 2007
Die Ruhe tritt ein
Was war das für eine Woche - voller Wahnsinn, Schmerz, Beleidigungen, Frechheiten, Strapatzen, Überforderung, Genervtheit, Kraftlosigkeit, Verwirrtheit, Wut und Liebe.
Denn die Liebe ist der Grund für all mein Handeln hier. Der Grund, warum ich mich immer wieder aufrichte, nachdem der Wind mich umgeknickt hat und warum ich nicht aufhöre weiter zu machen und zu geben.
Mein Vater hat immer gesagt - jeder bekommt das was er verdient. Und das stimmt.
Bei allem Leid - bekommt man gleichzeitig soviel geschenkt. Oft erkennt man es erst viel später- manchmal Jahre später. Aber wir können gewiss sein und das Vertrauen behalten, dass die Waage bleibt.
Wenn wir es eine zeitlang anders empfinden, sind es nur wir selbst die uns das Leben schwer machen. Je mehr Du versuchst mit zu schwimmen im Strom der Liebe, desto mehr Glück und Freiheit kannst Du inmitten des größten Tumults und Leids empfinden.
Aber jede Prüfung und Herausforderung im Leben als einfach zu empfinden - dazu sind wir nicht hier. Wir sind hier, weil wir genau an dem Schmerz wachsen müssen und wenn Du weisst - Deine Lebensprüfung geht zu Ende und Du hast sie geschafft ist das besser als alle weltlichen Prüfungen wie Abi und Berufsabschluss zusammen! Es ist einfach alles vollkommen richtig. Selbst der Schmerz! Das bedeutet im Einklang zu sein - mit sich und der Umwelt.
Nicht, dass es deshalb einfacher wäre - aber im Gleichgewicht zu sein ist so vollkommen!
Ich habe die letzten Tage gebrüllt und geschrieen - ich habe mich mindestens genauso aufgebäumt wie mein Vater selbst vor dem Tod.
Ich habe um Hilfe nach den Engeln gebrüllt und geschrieen dass ich nicht mehr kann und dass meine Kraft jetzt am Ende ist.
Und jetzt nach alle dem - kehrt die Ruhe ein. Es ist soweit!
Fassungslos stehst Du da und spürst wie der Tod ins Zimmer tritt.
Und plötzlich wandeln sich alle Genervtheit und Überforderung in Liebe.
Und Du stehst da und bist einfach erfüllt von Liebe - in all dem Schmerz.
Das ist so ein Geschenk und ich bin so dankbar, dass ich dies erfahren darf.
Papas Leid ist zu groß jetzt. Er röchelt und brodelt beim atmen. Aber ansonsten verläuft sie ruhig und recht gleichmäßig.
Seit gestern wird auch nicht mehr getrunken. Am Körper haben sich weitere aussen sichtbare Tumore gebildet und einige Stellen sind nun bläulich verfärbt.
Rücken und Schultern sind jetzt auf gegangen.
Es tut so weh - das ist mein Vater. Wenn ich Dich ansehe - mein über alles geliebter Vater.
Seit gestern ist auch das Gesicht stark eingefallen und die Schwester hat heute
präfinales Stadium auf das Berichtsblatt geschrieben.
Es ist soweit. Wie unfassbar. Seit gestern steh ich neben mir - erspüre mich wie im Film.
Aber mein Herz ist offen und voller Licht und Liebe.
Das sind die treffendsten Worte dafür - anders ist das Gefühl nicht zu beschreiben welches ist fühle!
Ich kann es kaum fassen - dass ich es tatsächlich geschafft habe. Es zerkrampft mir das Herz wenn ich darüber nachdenke, dass es nun vorbei ist durch all die Anspannung eines Jahres...
Ich habe es tatsächlich geschafft über ein Jahr hinweg ihn alleine zu Hause zu behalten. Es war sein Wunsch zu Hause zu sterben und er war nicht einmal im Krankenhaus.
Ich habe es geschafft - soviel Liebe und Licht habe ich gegeben und statt leer zu sein (so fühlte ich mich die letzten Tage) bin ich nun vollkommen erfüllt davon.
Inmitten von größtem Schmerz empfinde ich Glück und Freiheit.
Meine Prüfung ist hiermit bestanden - das fühle ich so sicher wie noch nichts zuvor im Leben.
Und vor etwa einem halben Jahr sagte mir ein lieber Professor aus meinem Studium, bei dem ich ein Seminar über Sterben, Tod und Trauer besuchte, dass es reicht miteinander zu atmen und die Botschäften kämen dann schon allein vom Universum.
Ich war die ganze Zeit zu verwirrt und Papa war noch zu laut um das zu fühlen. Doch jetzt wo er die meiste Zeit weggetreten ist in einem Dämmer - Schlafzustand (sicher auch durch mehr Valium) weiß ich alles was er braucht. Ich weiss es einfach - als wäre es das Natürlichste von der Welt. Welches Geschenk miteinander zu atmen! Selbst durch die Hand die seine hält strömt Liebe - ohne Worte.
Welche Schönheit sich Dir in diesem Schmerz offenbaren kann ist unbeschreiblich!
Bevor er gestern Abend einschlief und nachdem er soviel mit mir geschimpft hatte und so unzufrieden mit mir war - sagte er mir, dass er mich doch immer lieb hat und ich doch sein Engelskind bin. Er nannte mich schon immer Engelskind.
Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn auch lieb habe und es jetzt Zeit ist und er gehen kann. Und mein Stiefbruder hats auch gepackt - wir haben Tschüss gesagt.
"Du kannst aufhören zu kämpfen - es ist in Ordnung wenn Du jetzt gehst."
Ein Jahr - und nun naht das Ende!
PRÜFUNG BESTANDEN!
Denn die Liebe ist der Grund für all mein Handeln hier. Der Grund, warum ich mich immer wieder aufrichte, nachdem der Wind mich umgeknickt hat und warum ich nicht aufhöre weiter zu machen und zu geben.
Mein Vater hat immer gesagt - jeder bekommt das was er verdient. Und das stimmt.
Bei allem Leid - bekommt man gleichzeitig soviel geschenkt. Oft erkennt man es erst viel später- manchmal Jahre später. Aber wir können gewiss sein und das Vertrauen behalten, dass die Waage bleibt.
Wenn wir es eine zeitlang anders empfinden, sind es nur wir selbst die uns das Leben schwer machen. Je mehr Du versuchst mit zu schwimmen im Strom der Liebe, desto mehr Glück und Freiheit kannst Du inmitten des größten Tumults und Leids empfinden.
Aber jede Prüfung und Herausforderung im Leben als einfach zu empfinden - dazu sind wir nicht hier. Wir sind hier, weil wir genau an dem Schmerz wachsen müssen und wenn Du weisst - Deine Lebensprüfung geht zu Ende und Du hast sie geschafft ist das besser als alle weltlichen Prüfungen wie Abi und Berufsabschluss zusammen! Es ist einfach alles vollkommen richtig. Selbst der Schmerz! Das bedeutet im Einklang zu sein - mit sich und der Umwelt.
Nicht, dass es deshalb einfacher wäre - aber im Gleichgewicht zu sein ist so vollkommen!
Ich habe die letzten Tage gebrüllt und geschrieen - ich habe mich mindestens genauso aufgebäumt wie mein Vater selbst vor dem Tod.
Ich habe um Hilfe nach den Engeln gebrüllt und geschrieen dass ich nicht mehr kann und dass meine Kraft jetzt am Ende ist.
Und jetzt nach alle dem - kehrt die Ruhe ein. Es ist soweit!
Fassungslos stehst Du da und spürst wie der Tod ins Zimmer tritt.
Und plötzlich wandeln sich alle Genervtheit und Überforderung in Liebe.
Und Du stehst da und bist einfach erfüllt von Liebe - in all dem Schmerz.
Das ist so ein Geschenk und ich bin so dankbar, dass ich dies erfahren darf.
Papas Leid ist zu groß jetzt. Er röchelt und brodelt beim atmen. Aber ansonsten verläuft sie ruhig und recht gleichmäßig.
Seit gestern wird auch nicht mehr getrunken. Am Körper haben sich weitere aussen sichtbare Tumore gebildet und einige Stellen sind nun bläulich verfärbt.
Rücken und Schultern sind jetzt auf gegangen.
Es tut so weh - das ist mein Vater. Wenn ich Dich ansehe - mein über alles geliebter Vater.
Seit gestern ist auch das Gesicht stark eingefallen und die Schwester hat heute
präfinales Stadium auf das Berichtsblatt geschrieben.
Es ist soweit. Wie unfassbar. Seit gestern steh ich neben mir - erspüre mich wie im Film.
Aber mein Herz ist offen und voller Licht und Liebe.
Das sind die treffendsten Worte dafür - anders ist das Gefühl nicht zu beschreiben welches ist fühle!
Ich kann es kaum fassen - dass ich es tatsächlich geschafft habe. Es zerkrampft mir das Herz wenn ich darüber nachdenke, dass es nun vorbei ist durch all die Anspannung eines Jahres...
Ich habe es tatsächlich geschafft über ein Jahr hinweg ihn alleine zu Hause zu behalten. Es war sein Wunsch zu Hause zu sterben und er war nicht einmal im Krankenhaus.
Ich habe es geschafft - soviel Liebe und Licht habe ich gegeben und statt leer zu sein (so fühlte ich mich die letzten Tage) bin ich nun vollkommen erfüllt davon.
Inmitten von größtem Schmerz empfinde ich Glück und Freiheit.
Meine Prüfung ist hiermit bestanden - das fühle ich so sicher wie noch nichts zuvor im Leben.
Und vor etwa einem halben Jahr sagte mir ein lieber Professor aus meinem Studium, bei dem ich ein Seminar über Sterben, Tod und Trauer besuchte, dass es reicht miteinander zu atmen und die Botschäften kämen dann schon allein vom Universum.
Ich war die ganze Zeit zu verwirrt und Papa war noch zu laut um das zu fühlen. Doch jetzt wo er die meiste Zeit weggetreten ist in einem Dämmer - Schlafzustand (sicher auch durch mehr Valium) weiß ich alles was er braucht. Ich weiss es einfach - als wäre es das Natürlichste von der Welt. Welches Geschenk miteinander zu atmen! Selbst durch die Hand die seine hält strömt Liebe - ohne Worte.
Welche Schönheit sich Dir in diesem Schmerz offenbaren kann ist unbeschreiblich!
Bevor er gestern Abend einschlief und nachdem er soviel mit mir geschimpft hatte und so unzufrieden mit mir war - sagte er mir, dass er mich doch immer lieb hat und ich doch sein Engelskind bin. Er nannte mich schon immer Engelskind.
Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn auch lieb habe und es jetzt Zeit ist und er gehen kann. Und mein Stiefbruder hats auch gepackt - wir haben Tschüss gesagt.
"Du kannst aufhören zu kämpfen - es ist in Ordnung wenn Du jetzt gehst."
Ein Jahr - und nun naht das Ende!
PRÜFUNG BESTANDEN!
Mittwoch, November 14, 2007
Zwänge
Ich weiss noch nichtmal wo mir der Kopf gerade steht und finde daher keine Worte. Ich bin so überbelastet mittlerweile - ich pfeife auf meinem letzten Loch. Meine Erkältung die letzte Woche schon besser war, ist plötzlich wieder schlimmer und ich muss sagen - mir geht es einfach nur beschissen!
Beim Vortrag über Nahtoderlebnisse war ich natürlich nicht - sowas ist mir zur Zeit nicht vergönnt.
Anders kann ich derzeit nicht sagen. Es ist soviel Chaos, Leid und Wahnsinn - ich weiss schon nicht mehr welche Rolle ich in diesem ganzen Affentheater spiele?
Vorallem die psychische Belastung macht mir mittlerweile zu schaffen, neben all den alltäglichen Dingen wie Bankgeschäfte, Einkäufe, Rentenantrag usw. was für meinen Vater weiter laufen muss und was ich nun doppelt erledige, denn mich gibts ja (fast unglaublicherweise) auch noch.
Und dann nicht nur die psychische Belastung der Tatsache DASS Papa stirbt, sondern auch das WIE Papa stirbt. Es ist Wahnsinn -
- im wahrsten Sinne des Wortes.
Mein lieber Vater - wo bist Du hin?
Wo bist Du, der immer Verständnis für mich hatte? Der mir zuhörte und mir Ratschläge gab? Warum ist nichts mehr davon zu erkennen? Es ist als ob Deine Person ausgewechselt sei - schon jetzt.
Und im Schmerz des Abschieds wird mir klar - dass Du schon lange fort bist. Das was geblieben ist, abgesehen von der schmerzenden Hülle des Körpers, ist nicht mehr das, was ich kannte. Selbst Deine Seele ist nicht mehr die die ich kannte.
Das schockiert mich zutiefst.
Wie kannst Du mich, wo Du Dich doch immer so um mich gesorgt hast, zwingen wollen Dir immer mehr Schmerzmittel zu geben? Ich hätte Dir das Ketanest nie spritzen dürfen, das war der Freifahrtsschein für Dich, mich dazu zwingen zu wollen.
Du weisst ja garnicht wie fertig ich bin. Wie kaputt, wie müde, wie seelisch und körperlich erschöpft. Und es ist gemein von Dir, bei allem Verständnis für Deinen Schmerz mich so unter Druck zu setzen. Mir zu sagen, dass wenn ich Dir nicht mehr Schmerzmittel spritze, dann würde ich Dich nicht lieben. Oder dann würdest Du dem 18-jährigen Stiefbruder sagen er solle es machen und ob ich das dann verantworten will?
Mich 1000 Mal anzurufen, meinen Freund anzurufen als Du von mir ein klares Nein erfuhrst - aber Du trotzdem keine Hilfe durch Ärtze und Notdienste haben wolltest?
Ich bin froh, dass ich trotzdem den Bereitsschaftsdienst des Pflegedienstes nachts um 23 Uhr gerufen habe, ich sah keine andere Möglichkeit mehr.
Dann bekamst Du mehr Schmerzmittel - doch die reichen Dir nicht. Du willst noch mehr und mehr. Und die Ärztin ist auch mittlerweile der Ansicht dass das psychisch bei Dir ist, denn Du bekommst schon soviel - Du bekommst schon 200 mg Ketanest. Wieviel willst Du noch? Du sollst keine Schmerzen haben - aber müssen wir nicht eher den Schmerz Deiner Seele heilen? Doch wie - Du bist einfach nur wahnsinnig. Wie oft beschimpfst Du mich jetzt wüst - beschimpfst mich als Arschloch usw usw - meinst Du das wirklich ernst.
Ich weiss dass Du es nicht ernst meinst und dass es vermutlich an Deiner Krankheit liegt - aber es macht mich fertig.
Du mich gestern noch bis 2 Uhr nachts beschäftigt! Warum bist Du so aggressiv und wo kommt denn Dein plötzlicher Kontrollwahn her?
Dauernd müssen wir nun mit dem Zollstock den Pegelstand der Infusionsflasche messen. Das muss jetzt eingetragen und auf einem Zettel mit Uhrzeit dokumentiert werden. Auf Deinem Bett muss ein bestimmtes Regelwerk liegen - Die Handtücher müssen exakt mit der "Rundphase" weiss der Geier was das ist, übereinander gefaltet auf Deinem Bett liegen?
Als ich dann um halb drei endlich zu Hause im Bett lag, klingelte das Telefon wieder sturm und Du warst dran. Du musstest wissen wie das Schmerzmittel heisst und es konnte nicht bis zum nächsten Morgen warten? Schläfst Du eigentlich überhaupt noch? Du bist immer wach. Du nimmst auch keine Rücksicht mehr, weder auf mich noch auf Dein weiteres Umfeld. Was ist denn nur geschehen?
Dein Verhalten ist neurotisch und aggressiv. Ich wollte Dir ermöglichen zu Hause zu sterben, aber wenn das so weiter geht - ist das für mich/uns nicht mehr schaffbar.
Bei aller Liebe - wo hat das seine Grenze? In wieweit erfüllt man dem Sterbenden Wünsche und ab wo geht der Wahnsinn los?
Heute Abend kommt die Ärztin und stellt Dich neu ein - mit Ketanest, Diazepam - und ab heute Abend sollst Du noch Haldol bekommen.
Es tut mir leid, denn Du weisst noch nichts davon. Es tut mir so leid, dass ich Dir Haldol antun muss - ich schaffe es einfach nicht mehr.
Es schmerzt mich so sehr, dass unsere normalen Gespräche vorbei sind - ein für allemal in diesem Leben!
Beim Vortrag über Nahtoderlebnisse war ich natürlich nicht - sowas ist mir zur Zeit nicht vergönnt.
Anders kann ich derzeit nicht sagen. Es ist soviel Chaos, Leid und Wahnsinn - ich weiss schon nicht mehr welche Rolle ich in diesem ganzen Affentheater spiele?
Vorallem die psychische Belastung macht mir mittlerweile zu schaffen, neben all den alltäglichen Dingen wie Bankgeschäfte, Einkäufe, Rentenantrag usw. was für meinen Vater weiter laufen muss und was ich nun doppelt erledige, denn mich gibts ja (fast unglaublicherweise) auch noch.
Und dann nicht nur die psychische Belastung der Tatsache DASS Papa stirbt, sondern auch das WIE Papa stirbt. Es ist Wahnsinn -
- im wahrsten Sinne des Wortes.
Mein lieber Vater - wo bist Du hin?
Wo bist Du, der immer Verständnis für mich hatte? Der mir zuhörte und mir Ratschläge gab? Warum ist nichts mehr davon zu erkennen? Es ist als ob Deine Person ausgewechselt sei - schon jetzt.
Und im Schmerz des Abschieds wird mir klar - dass Du schon lange fort bist. Das was geblieben ist, abgesehen von der schmerzenden Hülle des Körpers, ist nicht mehr das, was ich kannte. Selbst Deine Seele ist nicht mehr die die ich kannte.
Das schockiert mich zutiefst.
Wie kannst Du mich, wo Du Dich doch immer so um mich gesorgt hast, zwingen wollen Dir immer mehr Schmerzmittel zu geben? Ich hätte Dir das Ketanest nie spritzen dürfen, das war der Freifahrtsschein für Dich, mich dazu zwingen zu wollen.
Du weisst ja garnicht wie fertig ich bin. Wie kaputt, wie müde, wie seelisch und körperlich erschöpft. Und es ist gemein von Dir, bei allem Verständnis für Deinen Schmerz mich so unter Druck zu setzen. Mir zu sagen, dass wenn ich Dir nicht mehr Schmerzmittel spritze, dann würde ich Dich nicht lieben. Oder dann würdest Du dem 18-jährigen Stiefbruder sagen er solle es machen und ob ich das dann verantworten will?
Mich 1000 Mal anzurufen, meinen Freund anzurufen als Du von mir ein klares Nein erfuhrst - aber Du trotzdem keine Hilfe durch Ärtze und Notdienste haben wolltest?
Ich bin froh, dass ich trotzdem den Bereitsschaftsdienst des Pflegedienstes nachts um 23 Uhr gerufen habe, ich sah keine andere Möglichkeit mehr.
Dann bekamst Du mehr Schmerzmittel - doch die reichen Dir nicht. Du willst noch mehr und mehr. Und die Ärztin ist auch mittlerweile der Ansicht dass das psychisch bei Dir ist, denn Du bekommst schon soviel - Du bekommst schon 200 mg Ketanest. Wieviel willst Du noch? Du sollst keine Schmerzen haben - aber müssen wir nicht eher den Schmerz Deiner Seele heilen? Doch wie - Du bist einfach nur wahnsinnig. Wie oft beschimpfst Du mich jetzt wüst - beschimpfst mich als Arschloch usw usw - meinst Du das wirklich ernst.
Ich weiss dass Du es nicht ernst meinst und dass es vermutlich an Deiner Krankheit liegt - aber es macht mich fertig.
Du mich gestern noch bis 2 Uhr nachts beschäftigt! Warum bist Du so aggressiv und wo kommt denn Dein plötzlicher Kontrollwahn her?
Dauernd müssen wir nun mit dem Zollstock den Pegelstand der Infusionsflasche messen. Das muss jetzt eingetragen und auf einem Zettel mit Uhrzeit dokumentiert werden. Auf Deinem Bett muss ein bestimmtes Regelwerk liegen - Die Handtücher müssen exakt mit der "Rundphase" weiss der Geier was das ist, übereinander gefaltet auf Deinem Bett liegen?
Als ich dann um halb drei endlich zu Hause im Bett lag, klingelte das Telefon wieder sturm und Du warst dran. Du musstest wissen wie das Schmerzmittel heisst und es konnte nicht bis zum nächsten Morgen warten? Schläfst Du eigentlich überhaupt noch? Du bist immer wach. Du nimmst auch keine Rücksicht mehr, weder auf mich noch auf Dein weiteres Umfeld. Was ist denn nur geschehen?
Dein Verhalten ist neurotisch und aggressiv. Ich wollte Dir ermöglichen zu Hause zu sterben, aber wenn das so weiter geht - ist das für mich/uns nicht mehr schaffbar.
Bei aller Liebe - wo hat das seine Grenze? In wieweit erfüllt man dem Sterbenden Wünsche und ab wo geht der Wahnsinn los?
Heute Abend kommt die Ärztin und stellt Dich neu ein - mit Ketanest, Diazepam - und ab heute Abend sollst Du noch Haldol bekommen.
Es tut mir leid, denn Du weisst noch nichts davon. Es tut mir so leid, dass ich Dir Haldol antun muss - ich schaffe es einfach nicht mehr.
Es schmerzt mich so sehr, dass unsere normalen Gespräche vorbei sind - ein für allemal in diesem Leben!
Dienstag, November 13, 2007
Zerstörerische Liebe Teil 2
Liebe zerstört nicht. Wenn sie verletzt - dann nur, weil die Seele selbst verletzt ist. Sie ist ein Aufschrei nach Hilfe und bittet um Befreiung. Dabei spielt es keine Rolle ob Körper oder Seele schmerzen....
Gestern tobte mein Vater weiter. Nicht so sehr gegen mich - gegen die ganze Welt. Sein Schmerz sei unerträglich (scheinbar reichen die 3 Ampullen Ketanest nun auch nicht mehr...!)
Er schrie, weinte und winselte - es könne doch nicht sein, dass man hier unter Schmerzen sterben muss?
Nein - das muss nicht sein!
Ich fuhr zur Ärztin und bekam von ihr die Erlaubnis 1 Ampulle Ketanest in die Spritze aufzuziehen und oben in seine Infusion zu geben. Das tat ich - allerdings stellte sich das dann als großer Fehler heraus - denn plötzlich schrie und brüllte er mich an, weil er noch mehr Schmerzmittel von mir bekommen wollte...!
Also rief ich die Ärztin an und sie kam abends noch vorbei. Weil er so tobte mit rotem Kopf und schrie und brüllte - gab sie ihm Valium.
Dann schlief er endlich!
Mal sehen wie es jetzt ist - eigentlich möchte ich heute Abend zu einem Vortrag über Nahtoderlebnisse fahren?
Ich bin gespannt was der Tag für mich bereit hält!
Gestern tobte mein Vater weiter. Nicht so sehr gegen mich - gegen die ganze Welt. Sein Schmerz sei unerträglich (scheinbar reichen die 3 Ampullen Ketanest nun auch nicht mehr...!)
Er schrie, weinte und winselte - es könne doch nicht sein, dass man hier unter Schmerzen sterben muss?
Nein - das muss nicht sein!
Ich fuhr zur Ärztin und bekam von ihr die Erlaubnis 1 Ampulle Ketanest in die Spritze aufzuziehen und oben in seine Infusion zu geben. Das tat ich - allerdings stellte sich das dann als großer Fehler heraus - denn plötzlich schrie und brüllte er mich an, weil er noch mehr Schmerzmittel von mir bekommen wollte...!
Also rief ich die Ärztin an und sie kam abends noch vorbei. Weil er so tobte mit rotem Kopf und schrie und brüllte - gab sie ihm Valium.
Dann schlief er endlich!
Mal sehen wie es jetzt ist - eigentlich möchte ich heute Abend zu einem Vortrag über Nahtoderlebnisse fahren?
Ich bin gespannt was der Tag für mich bereit hält!
Montag, November 12, 2007
Zerstörerische Liebe
Klingt seltsam - zerstörerische Liebe. Wo Liebe doch immer alles heilt - so wie es heisst.
Und doch kennen wir sicherlich alle die Liebe die auch enttäuscht. Die Liebe die verletzt. Die Liebe die uns einsam und unverstanden fühlen lässt.
Was ist das dann für eine Liebe? Gehört das einfach auch dazu? Muss es vielleicht das Gleichgewicht halten?
Es ist sehr schwer sie zu ertragen. Immer wenn wir verlassen werden und enttäuscht - sind wir mit ihr konfrontiert.
Es ist verwunderlich - doch man kann sogar von Sterbenden auf ihrem Sterbebett verlassen werden, während man gerade dabei ist ihren Urinbeutel zu entleeren.
Das kann eine sehr schmerzliche Erfahrung sein.
Es ist seltsam und überhaupt nicht zu erklären. Ich weiss nicht ob es an seinen Medikamenten liegt oder an seiner Krankheit. Aber scheine ich seit etwa 3 Tagen als Projektionsfläche für alle Enttäuschung und Wut des Lebens zu dienen.
Es scheint, als hasse er mich. Er liegt im Bett, schwach wie er ist - und tobt mit rotem Kopf und brüllendem Hals, als sei ich sein Erzfeind Nr. 1.
"Jetzt habe er mich endlich kennen gelernt - und er dankt Gott dass er auf seine letzten Tage mein wahres Gesicht noch sehen darf."
Wenn ich doch nur wüsste, was vorgefallen ist? Ich kann mir noch nichtmal erklären wo das herkommt?
Das Ganze ging Samstag Abend los - als ich meinen Stiefbruder und seine Freundin wegen ihres 18. Geburtstages zum Essen beim Chinesen einlud.
Wir waren um halb acht verabredet. Mein Vater schien, aggressiv wie er war, absichtlich schon dagegen zu arbeiten, indem er doppelt so viel Belange plötzlich auf die letzten Minuten noch hatte wie sonst. Er beschäftigte uns regelrecht mit Aufträgen die sich noch eine halbe Stunde lang zogen - und mein armer Freund in der Zeit im Auto unten wartete.
Irgendwann sagte ich, dass mein Freund ja unten im Auto wartet - und darauf hin fing er an zu brüllen, dass ich meine alle springen gleich wenn ich komme. Und das kennt er auch von seiner Exfrau. Diese Art - jetzt zeige ich ihm mein wahres Gesicht.
Und warf 1000 erledigte Geschichten durcheinander. Wärmte eine Streitsituation von vor 5 Jahren wieder auf - warf die aber auch durcheinander mit der Handlungsweise seiner Exfrau von vor 30 Jahren.
Und brüllte und schrie und hyperventilierte. Ich war völlig überfordert - ich dachte sein Herz bleibt jeden Augenblick stehen durch diese Aufregung. Jedoch konnte ich nichts dran ändern, denn ich tat ja nichts.
Also dachte ich, weil er sich durch meinen Anblick immer schlimmer reinsteigerte - es sei das Beste wenn ich das Zimmer verlasse.
Das tat ich dann auch - er tobte jedoch dann über meine Ignoranz - was ich auch verstehen kann und was mir auch ein schlechtes Gewissen bereitet - doch denke ich das es das Beste war, denn nach 5 Minuten ausschimpfen beruhigte er sich dann allmählich.
Gestern hoffte ich, dass er sich nun wieder beruhigt habe und alles wieder normal sei. Als ich dann mit ihm sprach merkte ich aber schnell, dass er scheinbar immer noch der Ansicht war - ich sei ein fürchterlicher Mensch und er habe mein wahres Gesicht jetzt endlich gesehen...!
Ich werde gleich wieder hinfahren und mir das ansehen. Ich weiss nicht wirklich wie ich damit umgehen soll im Moment?
Das ist ziemlich verletzend - gerade in einer Zeit, in der ich ihm von Herzen zurückgeben möchte.
Und doch kennen wir sicherlich alle die Liebe die auch enttäuscht. Die Liebe die verletzt. Die Liebe die uns einsam und unverstanden fühlen lässt.
Was ist das dann für eine Liebe? Gehört das einfach auch dazu? Muss es vielleicht das Gleichgewicht halten?
Es ist sehr schwer sie zu ertragen. Immer wenn wir verlassen werden und enttäuscht - sind wir mit ihr konfrontiert.
Es ist verwunderlich - doch man kann sogar von Sterbenden auf ihrem Sterbebett verlassen werden, während man gerade dabei ist ihren Urinbeutel zu entleeren.
Das kann eine sehr schmerzliche Erfahrung sein.
Es ist seltsam und überhaupt nicht zu erklären. Ich weiss nicht ob es an seinen Medikamenten liegt oder an seiner Krankheit. Aber scheine ich seit etwa 3 Tagen als Projektionsfläche für alle Enttäuschung und Wut des Lebens zu dienen.
Es scheint, als hasse er mich. Er liegt im Bett, schwach wie er ist - und tobt mit rotem Kopf und brüllendem Hals, als sei ich sein Erzfeind Nr. 1.
"Jetzt habe er mich endlich kennen gelernt - und er dankt Gott dass er auf seine letzten Tage mein wahres Gesicht noch sehen darf."
Wenn ich doch nur wüsste, was vorgefallen ist? Ich kann mir noch nichtmal erklären wo das herkommt?
Das Ganze ging Samstag Abend los - als ich meinen Stiefbruder und seine Freundin wegen ihres 18. Geburtstages zum Essen beim Chinesen einlud.
Wir waren um halb acht verabredet. Mein Vater schien, aggressiv wie er war, absichtlich schon dagegen zu arbeiten, indem er doppelt so viel Belange plötzlich auf die letzten Minuten noch hatte wie sonst. Er beschäftigte uns regelrecht mit Aufträgen die sich noch eine halbe Stunde lang zogen - und mein armer Freund in der Zeit im Auto unten wartete.
Irgendwann sagte ich, dass mein Freund ja unten im Auto wartet - und darauf hin fing er an zu brüllen, dass ich meine alle springen gleich wenn ich komme. Und das kennt er auch von seiner Exfrau. Diese Art - jetzt zeige ich ihm mein wahres Gesicht.
Und warf 1000 erledigte Geschichten durcheinander. Wärmte eine Streitsituation von vor 5 Jahren wieder auf - warf die aber auch durcheinander mit der Handlungsweise seiner Exfrau von vor 30 Jahren.
Und brüllte und schrie und hyperventilierte. Ich war völlig überfordert - ich dachte sein Herz bleibt jeden Augenblick stehen durch diese Aufregung. Jedoch konnte ich nichts dran ändern, denn ich tat ja nichts.
Also dachte ich, weil er sich durch meinen Anblick immer schlimmer reinsteigerte - es sei das Beste wenn ich das Zimmer verlasse.
Das tat ich dann auch - er tobte jedoch dann über meine Ignoranz - was ich auch verstehen kann und was mir auch ein schlechtes Gewissen bereitet - doch denke ich das es das Beste war, denn nach 5 Minuten ausschimpfen beruhigte er sich dann allmählich.
Gestern hoffte ich, dass er sich nun wieder beruhigt habe und alles wieder normal sei. Als ich dann mit ihm sprach merkte ich aber schnell, dass er scheinbar immer noch der Ansicht war - ich sei ein fürchterlicher Mensch und er habe mein wahres Gesicht jetzt endlich gesehen...!
Ich werde gleich wieder hinfahren und mir das ansehen. Ich weiss nicht wirklich wie ich damit umgehen soll im Moment?
Das ist ziemlich verletzend - gerade in einer Zeit, in der ich ihm von Herzen zurückgeben möchte.
Freitag, November 09, 2007
In der Ruhe liegt die Kraft
Ich habe jetzt über eine Woche nicht mehr geschrieben. Ich habe nicht mehr geschrieben weil alles ruhig war. Ich wurde sogar ein paar Tage lang zu meiner Ruhe gezwungen in dem ich eine dicke Erkältung bekam und mich mit Halsschmerzen und Fieber herumschlug.
In dieser Zeit habe ich zwar immer noch für meinen Vater erledigt was möglich war - aber ich habe vorrübergehend das was andere machen konnten auch mehr auf andere Leute verteilt.
So lief das alles einigermaßen.
Die Schmerzen waren gut eingestellt und das war schonmal wirklich beruhigend. Die Krankheit an sich erschien deshalb nicht mehr ganz so akut. Er aß Haferschleim und trank Astronautenkost und entwickelte im Laufe der Woche eine Leidenschaft für Actimel. So sehr dass ich mir schon fast überlegte mit Actimel einen Vertrag abzuschließen.
Zum Ende der Woche jetzt wurde es immer mehr - dafür wurde anderes wieder weniger. Haferschleim ist er nicht mehr - es bereitet ihm nun Bauchschmerzen. Er trank 1 Päkchen Astronautenkost und "ungelogen" 40 Actimel pro Tag. Actimel ist zu seiner Haupternährung geworden. Alle 2 Tage kaufe ich also 80 Fläschchen Actimel im Geschäft. Etwas doof kam ich mir schon vor bei der Masse - jedenfalls dachte ich, dass der Umsatz bei dieser Menge spürbar gestiegen sein musste.
So lief es die letzten Tage recht ruhig. Ich habe schon befürchtet, dass mir eine Zwangspause nur vergönnt war, weil dies die Ruhe vor dem Sturm werden sollte.
Heute war es fast unbeschreiblich. Unbeschreiblich anstrengend und ich fühl mich gerade fix und fertig.
Nachdem ich heute früh mir Badewasser eingelassen und es nach einem Anruf von meinem Vater sofort wieder abgelassen hatte - bin ich froh, dass ich jetzt um 18 Uhr heute Abend endlich mal dazu kam, mein Bad nachzuholen, was zu essen - was auch den ganzen Tag nicht geschafft wurde und kurz zu verschnaufen. Gleich werde ich wieder hin fahren müssen.
Aber heute - war es wirklich eine Farce.
Alles ging los heute früh mit der Schreckensnachricht, dass er schon die ganze Nacht versuche zu pinkeln, aber nichts mehr hinaus fließen will. Der Primärkrebs ist ein Prostatakarzinom was anschließend in die Knochen metastasiert ist. Jedenfalls liegt es sehr nahe, dass das Prostatakarzinom dafür verantwortlich ist, wenn die Harnröhre abgeklemmt ist wodurch kein Urin mehr fließen kann.
Ich habe also sofort bei der Hausärztin angerufen - sie betreut ihn hauptsächlich zu Hause und versorgt ihn auch mit seinen Schmerzmitteln. Wir sind mit der Hausärztin sehr zufrieden, weil sie palliativ drauf ist und es ihr um den Sterbenden geht und es nicht, wie sonst leider häufig üblich in diesem Land, heisst - das Krankenhaus sei die einzige Lösung.
Nachdem ich ihr das Problem mitgeteilt hatte, riet sie mir sofort den Urologen zu verständigen der einen Katheter legen würde.
Das tat ich und der Urologe versicherte mir gegen 11:45 Uhr das "gleich" jemand raus kommen würde.
Aus dem "gleich" wurde ein unglaubliches Drama. Niemand kam - und niemand war mehr über die Mittagsruhe zu erreichen. Weder die Hausärztin zunächst, als auch der Urologe. Irgendetwas war schief gelaufen - soviel war mir sicher.
Nachdem die Schreie meines Vaters vor Schmerzen, weil die Blase natürlich immer voller und voller lief aber nichts mehr hinaus konnte, immer lauter wurden und sein Flehen immer dringlicher und ich fast non Stop versuchte die Praxen telefonisch zu erreichen, überlegte ich mir sogar den Notarzt zu rufen.
Allerdings war mir nicht ganz wohl und ich versuchte die Situation abzuwägen, denn ich hielt es für sehr wahrscheinlich dass der Notarzt ihn mit ins Krankenhaus nehmen würde. Der Transport ist nicht wirklich zumutbar mit seinen Knochenmetastasen und das sollte wirklich nur als allerletzte Notlösung erfolgen.
Irgendwann schrie ich zu den Engeln, sie mögen doch bitte jetzt sofort etwas tun!!!
Dann geschah das Wunder - die Hausärztin rief noch mal zurück! Ich bat sie zu kommen - allerdings könnte sie keinen Katheter legen weil durch das Prostatakarzinom könnte es sein, dass man mit den Gewöhnlichen garnicht durch kommt. Sie sagte mir, dass sie kein Auto habe und es in der Werkstadt sei - worauf ich mich dann dazu entschloss sie persönlich in ihrer Praxis abzuholen.
Als ich sie geholt hatte, konnten wir meinem Vater aber schonmal in so weit helfen, als dass sie durch die Bauchdecke direkt in die Blase eine Kanüle schob wodurch etwas Urin abfließen konnte und die erste Erleichterung schonmal gewährleistet war.
Dann irgendwann folgten noch ein paar Gespräche mit dem Urologen und einem Pflegedienstmitarbeiter, der dann irgendwann so gegen 16 Uhr eintrudelte und endlich den gewünschten Katheter setzte. Dann musste ich noch mit zur Praxis fahren und die Urinbeutel fürs Wochenende holen.
Darauf hin bin ich wieder zu meinem Vater und schloss dann den Urinbeutel an.
Und dann gegen 17 Uhr kehrte endlich etwas Ruhe ein - ich habe ihm gesagt, er solle versuchen eine Runde zu schlafen. Denn ich musste noch in der Apotheke Besorgungen erledigen und bin jetzt gerade froh dass ich frisch gebadet hier mir von der Seele schreiben kann was mir auf ihr brennt.
Jetzt werde ich noch etwas essen und dann wieder nach ihm sehen - mal sehen ob der Tag dann heute rum ist oder schon das nächste Abenteuer wartet...!
In dieser Zeit habe ich zwar immer noch für meinen Vater erledigt was möglich war - aber ich habe vorrübergehend das was andere machen konnten auch mehr auf andere Leute verteilt.
So lief das alles einigermaßen.
Die Schmerzen waren gut eingestellt und das war schonmal wirklich beruhigend. Die Krankheit an sich erschien deshalb nicht mehr ganz so akut. Er aß Haferschleim und trank Astronautenkost und entwickelte im Laufe der Woche eine Leidenschaft für Actimel. So sehr dass ich mir schon fast überlegte mit Actimel einen Vertrag abzuschließen.
Zum Ende der Woche jetzt wurde es immer mehr - dafür wurde anderes wieder weniger. Haferschleim ist er nicht mehr - es bereitet ihm nun Bauchschmerzen. Er trank 1 Päkchen Astronautenkost und "ungelogen" 40 Actimel pro Tag. Actimel ist zu seiner Haupternährung geworden. Alle 2 Tage kaufe ich also 80 Fläschchen Actimel im Geschäft. Etwas doof kam ich mir schon vor bei der Masse - jedenfalls dachte ich, dass der Umsatz bei dieser Menge spürbar gestiegen sein musste.
So lief es die letzten Tage recht ruhig. Ich habe schon befürchtet, dass mir eine Zwangspause nur vergönnt war, weil dies die Ruhe vor dem Sturm werden sollte.
Heute war es fast unbeschreiblich. Unbeschreiblich anstrengend und ich fühl mich gerade fix und fertig.
Nachdem ich heute früh mir Badewasser eingelassen und es nach einem Anruf von meinem Vater sofort wieder abgelassen hatte - bin ich froh, dass ich jetzt um 18 Uhr heute Abend endlich mal dazu kam, mein Bad nachzuholen, was zu essen - was auch den ganzen Tag nicht geschafft wurde und kurz zu verschnaufen. Gleich werde ich wieder hin fahren müssen.
Aber heute - war es wirklich eine Farce.
Alles ging los heute früh mit der Schreckensnachricht, dass er schon die ganze Nacht versuche zu pinkeln, aber nichts mehr hinaus fließen will. Der Primärkrebs ist ein Prostatakarzinom was anschließend in die Knochen metastasiert ist. Jedenfalls liegt es sehr nahe, dass das Prostatakarzinom dafür verantwortlich ist, wenn die Harnröhre abgeklemmt ist wodurch kein Urin mehr fließen kann.
Ich habe also sofort bei der Hausärztin angerufen - sie betreut ihn hauptsächlich zu Hause und versorgt ihn auch mit seinen Schmerzmitteln. Wir sind mit der Hausärztin sehr zufrieden, weil sie palliativ drauf ist und es ihr um den Sterbenden geht und es nicht, wie sonst leider häufig üblich in diesem Land, heisst - das Krankenhaus sei die einzige Lösung.
Nachdem ich ihr das Problem mitgeteilt hatte, riet sie mir sofort den Urologen zu verständigen der einen Katheter legen würde.
Das tat ich und der Urologe versicherte mir gegen 11:45 Uhr das "gleich" jemand raus kommen würde.
Aus dem "gleich" wurde ein unglaubliches Drama. Niemand kam - und niemand war mehr über die Mittagsruhe zu erreichen. Weder die Hausärztin zunächst, als auch der Urologe. Irgendetwas war schief gelaufen - soviel war mir sicher.
Nachdem die Schreie meines Vaters vor Schmerzen, weil die Blase natürlich immer voller und voller lief aber nichts mehr hinaus konnte, immer lauter wurden und sein Flehen immer dringlicher und ich fast non Stop versuchte die Praxen telefonisch zu erreichen, überlegte ich mir sogar den Notarzt zu rufen.
Allerdings war mir nicht ganz wohl und ich versuchte die Situation abzuwägen, denn ich hielt es für sehr wahrscheinlich dass der Notarzt ihn mit ins Krankenhaus nehmen würde. Der Transport ist nicht wirklich zumutbar mit seinen Knochenmetastasen und das sollte wirklich nur als allerletzte Notlösung erfolgen.
Irgendwann schrie ich zu den Engeln, sie mögen doch bitte jetzt sofort etwas tun!!!
Dann geschah das Wunder - die Hausärztin rief noch mal zurück! Ich bat sie zu kommen - allerdings könnte sie keinen Katheter legen weil durch das Prostatakarzinom könnte es sein, dass man mit den Gewöhnlichen garnicht durch kommt. Sie sagte mir, dass sie kein Auto habe und es in der Werkstadt sei - worauf ich mich dann dazu entschloss sie persönlich in ihrer Praxis abzuholen.
Als ich sie geholt hatte, konnten wir meinem Vater aber schonmal in so weit helfen, als dass sie durch die Bauchdecke direkt in die Blase eine Kanüle schob wodurch etwas Urin abfließen konnte und die erste Erleichterung schonmal gewährleistet war.
Dann irgendwann folgten noch ein paar Gespräche mit dem Urologen und einem Pflegedienstmitarbeiter, der dann irgendwann so gegen 16 Uhr eintrudelte und endlich den gewünschten Katheter setzte. Dann musste ich noch mit zur Praxis fahren und die Urinbeutel fürs Wochenende holen.
Darauf hin bin ich wieder zu meinem Vater und schloss dann den Urinbeutel an.
Und dann gegen 17 Uhr kehrte endlich etwas Ruhe ein - ich habe ihm gesagt, er solle versuchen eine Runde zu schlafen. Denn ich musste noch in der Apotheke Besorgungen erledigen und bin jetzt gerade froh dass ich frisch gebadet hier mir von der Seele schreiben kann was mir auf ihr brennt.
Jetzt werde ich noch etwas essen und dann wieder nach ihm sehen - mal sehen ob der Tag dann heute rum ist oder schon das nächste Abenteuer wartet...!
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